Schlucken – lebenswichtig und nicht immer selbstverständlich

Schlucken – lebenswichtig und nicht immer selbstverständlich

Essen und Trinken sind ein elementarer Teil unseres Lebens. Schlucken ist hierfür unerlässlich. Schlucken ist ein angeborener Reflex, der täglich bis zu 2000 Mal automatisch abläuft. Gleichzeitig handelt es sich dabei um einen komplexen Vorgang, an dem 50 Muskelpaare und 6 Hirnnerven beteiligt sind. Dass der Schluckakt ohne Probleme gelingt, ist nicht immer selbstverständlich.

„Bewusst wird der Schluckakt meist erst dann, wenn er nicht korrekt funktioniert“, weiß Cordula Winterholler, Geschäftsführerin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V. (dbl). Gelegentliches Verschlucken sei ganz normal. Wenn es aber hierdurch immer häufiger zu Schwierigkeiten beim Essen und Trinken oder beim Schlucken des Speichels kommt, sollte ärztlicher und logopädischer Rat eingeholt werden.

„Es könnte eine Schluckstörung (Dysphagie) vorliegen, die nicht nur die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sondern möglicherweise auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. Deshalb ist es wichtig, Schluckstörungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln“, so die Logopädin.
Schluckstörungen können in jedem Alter auftreten. Am häufigsten kommen sie jedoch bei älteren Menschen vor.

Die Ursachen für Schluckstörungen sind vielfältig. Sie können Folge von Schlaganfall, Parkinson, ALS, Demenz, Tumoren, von Unfällen (Schädelhirntrauma) oder angeborenen Fehlbildungen sein.

Neben häufigem Husten und Räuspern beim oder nach dem Essen und Trinken gibt es weitere Anzeichen, die auf eine Schluckstörung hinweisen können. Dazu gehört beispielsweise das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben. Auch Hustenreize beim oder nach dem Schlucken, Atemnot beim Essen oder Trinken, ständiger Speichelfluss und der Austritt von Nahrung oder Flüssigkeit aus dem Mund oder aus der Nase, ein gurgelnder Stimmklang oder auch eine undeutliche und verwaschene Aussprache können Anzeichen sein. Weitere Hinweise sind eine ungewollte Gewichtsabnahme und unklare Fieberschübe und Lungenentzündungen.

Liegen solche Symptome vor, ist eine gründliche ärztliche und logopädische Untersuchung angezeigt. Der erste Weg führt zum Hausarzt – je nach Ursache der Störung können weitere Untersuchungen von Fachkräften anderer Berufsgruppen (neben der Logopädie vor allem Neurologie, Phoniatrie, HNO-Heilkunde und Innere Medizin) notwendig sein. Denn Schluckstörungen sind keineswegs harmlos. Sie können zahlreiche Folgeprobleme nach sich ziehen. Am häufigsten treten Mangelernährung, Austrocknung und Gewichtsverlust auf. Gelangen Spucke oder Speisereste in die Lunge, droht eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie), die lebensgefährlich sein kann.

Auch die psychosozialen Folgen einer Schluckstörung können erheblich sein. Wenn Essen und Trinken nicht mehr gut gelingt, schämen sich viele Betroffene und vermeiden Mahlzeiten in Gesellschaft. Dies geht häufig mit sozialem Rückzug einher und kann die Lebensfreude der Patienten und das Miteinander mit den Angehörigen erheblich beeinträchtigen.

Ist die genaue Abklärung der Schluckstörung erfolgt, können die ärztlichen oder logopädischen Behandler abschätzen, welche Maßnahmen bzw. Übungen die Probleme lösen können. Je nach Ursache der Schluckschwierigkeiten werden operative, medikamentöse, übende oder kompensatorisch-adaptive Verfahren, wie z.B. Kostanpassung, eingesetzt.

In der logopädischen Schlucktherapie werden verschiedene Behandlungsmethoden zur Wiedererlangung der Schluckfähigkeit und zur Kompensation sowie zum Ausgleich von verlorenen oder verminderten Fähigkeiten des jeweiligen Patienten eingesetzt. „Das Ziel der logopädischen Schlucktherapie ist der bestmögliche Erhalt einer sicheren und lustvollen Nahrungsaufnahme. So können die Patientinnen und Patienten vor schwerwiegenden gesundheitlichen Folgeerkrankungen geschützt und ihre körperliche und soziale Lebensqualität gestärkt werden“, erläutert Winterholler.

———
Hintergrund
Der Europäische Tag der Logopädie wird jedes Jahr am 6. März begangen. In Deutschland ist er auch im „Jahresplaner Gesundheitstage 2017“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gelistet. Ins Leben gerufen hat ihn der Europäische Dachverband der Nationalen Logopädenverbände, das Comité Permanent de Liaison des Orthophonistes-Logopèdes de l’Union Européenne (CPLOL). Dem CPLOL gehören 35 Verbände aus 32 europäischen Ländern an. Einziges deutsches Mitglied ist der Deutsche  Bundesverband für Logopädie (dbl), in dem freiberufliche und angestellte Logopäden organisiert sind.

V.i.S.d.P.: Cordula Winterholler, Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V., Augustinusstraße 11a, 50226 Frechen. Weitere Informationen: Margarete Feit, Tel.: 02234/37953-27, Fax: 02234/37953-13, E-Mail: presse @ dbl-ev.de, Internet: www.dbl-ev.de

 

Quelle DBL Homepage www.dbl-ev.de

No Comments

Post a Comment