Lispeln / Sigmatismus

Lispeln / Sigmatismus – “Susi sag mal saure Sahne”

Sigmatimus (umgangssprachlich auch als “Lispeln” bekannt), zählt der zu den klassischen Artikulationsstörungen bei Kindern im Alter von 3-6 Jahren. In diesem Alter ist es den Kindern noch “erlaubt” zu lispeln, d.h. das Auftreten eines Sigmatismus ist im Rahmen der normalen Sprachentwicklung noch normal. Nicht selten sind auch Erwachsene betroffen, die je nach Ausprägung auch einen hohen Leidensdruck mit sich bringen.

Doch ab wann sollte ein Sigmatismus behandelt werden? Wie sind die Symptome? Welchen Formen des Sigmatismus gibt es, was sind die Ursachen und wir kann er therapiert werden? In den folgenden Zeilen möchten wir Ihnen einen kleinen Überblick verschaffen.

Zunächst einmal ist “Sigmatismus” die fachliche Bezeichnung für die Lautbildungsstörung der Laute /s/ und /z/. Im Fachjargon spricht man von einer phonetischen Störung oder sehr veraltet von einer Dyslalie. Dabei kann es dazu kommen, dass die Zunge bei der Bildung des Ziellautes sichtbar wird und wie ein englisches “th” klingt. Je nach Bildungscharakter kann der Ziellaut aber auch “dumpf” oder “schlürfend” klingen.

Ein korrekter /s/- oder /z/- Laut kann an den unteren (dorsal) oder oberen (apikal) Schneidezähnen gebildet werden. Bei beiden Formen liegt die Zungenspitze hinter den Schneidezähnen. Die Zunge bildet eine Art “Rinne”. Die Ausatemluft streicht über den Zungenrücken und “reibt” sich an den Zähnen, wodurch ein “scharfer” Klangcharakter zustande kommt.

Die häufigsten Formen des Sigmatismus sind:

Sigmatismus interdentalis: ​Die Zunge schiebt sich bei der Bildung zwischen die Zahnreihen. Die Zunge wird sichtbar. Das hat zur Folge, dass das /s/ oder /z/ wie ein englisches “th” klingt. Diese Form der Fehlbildung begünstigt gerade im Kindesalter Zahnfehlstellung, z.B. einen offenen Biss und inkorrekte Schluckmuster.

Sigmatismus addentalis: ​Die Zunge stößt beim Sprechen gegen die geschlossene Zahnreihe, je nach Bildungsform entweder an die unteren oder oberen Schneidezähne. Es kommt dazu, dass der Ziellaut nun “unscharf” oder etwas “dumpf” klingt.

Sigmatismus lateralis: ​Hierbei strömt die Ausatemluft seitlich an den Zungenrändern und Zahnreihen vorbei, wodurch es zu einem “schlürfenden” Geräusch kommt

Verschiedene Ursachen können zu einem der o.g. Sigmatismen. Häufig tritt ein Sigmatismus im Rahmen einer myofunktionellen Störung auf. Hierbei handelt es sich u.a. um muskuläres Ungleichgewicht zwischen der Lippen- und Zungenmuskulatur, die dann eine undeutlich und/oder eine verwaschene Aussprache zur Folge hat. Ein Sigmatismus kann jedoch auch völlig isoliert von einer myofunktionellen Störung auftreten. Die Ursache liegt dann häufig in angewöhnten Bewegungsmustern, sogenannte “Habits” wie z.B. häufiges und zu langes Daumenlutschen.

Weitere Ursachen können eine von der Geburt an auftretende Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oder eine beidseitige Hochtonschwerhörigkeit sein. Die s-Laute liegen in einem sehr hohen Frequenzbereich. Schwerhörigkeiten in diesem Bereich bedeuten für Kinder, dass sie die

s-Laute der angebotenen Sprache nicht richtig hören können und auch die eigene Sprachproduktion nicht richtig hören. Ihr Logopäde wird die Ursachen mit einer geeigneten Diagnostik abklären und die Therapie entsprechend anpassen.

Wie lässt sich denn aber nun ein Sigmatismus behandeln? Hinsichtlich des Therapiebeginns bei Kindern gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen sagen, es ist besser den Zahnwechsel abzuwarten, damit die Zunge einen Orientierung im Mundraum hat. Wiederum andere sagen, dass man nicht zu lange warten sollte, damit sich das falsch erlernte Sprechmuster nicht zu sehr manifestiert. Grundsätzlich gilt: Je früher man ansetzt, desto eher kann es behoben werden. In vielen Fällen ist es durchaus sinnvoll möglichst früh mit einer Therapie zu beginnen. Insbesondere wenn der Sigmatismus im Rahmen einer anderen Störung (s.o.) auftritt. Entscheidend ist aber vor allen dingen die Motivation des Patienten bzw. die der Eltern ihr Kind bei der Therapie zu unterstützen.

In der Therapie werden (Hör-)übungen zur Verbesserung der Fremd-und Eigenwahrnehmung, Übungen für eine Verbesserung Mund- und Zungenmotorik und natürlich jede Menge Artikulationsübungen mit dem zuvor korrekt erlernten neuen Sprechmuster durchgeführt.
Je nach Störungsform und Fehlbildung des Lautes werden unterschiedliche Therapieansätze angewendet. Dies gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Wichtig ist auch das regelmäßige Üben zu Hause um den Transfer in den Alltag optimal zu gewährleisten.

Quellen:

Weinrich, M.; Zahner, H. (2011): Phonetische und phonologische Störungen bei Kindern. 4. Aufl., Springer, Berlin Heidelberg

Kannengiese, S. (2009): Sprachentwicklungsstörungen. 1. Aufl., Elsevier Urban & Fischer, München

Autor: Yasmin Christiansen (Theralingua)

# Lispeln # Sigmatismus