Stimmstörung durch Erkältung

Was eine Erkältung mit der Stimme macht

Ob Sommergrippe oder „Es-geht-wieder-rum“: Es ist völlig normal, dass sich eine Erkältung auch stimmlich niederschlägt. Dieser Artikel soll Aufschluss darüber geben, wie die Stimme eine solche Herausforderung gut meistern und vom Erkälteten bestmöglich dabei unterstützt werden kann. In diesem Zusammenhang erhält die sowieso immer – auch für stimmgesunde Menschen – wichtige Stimmhygiene einen besonderen Stellenwert. Unter diesem Begriff werden Maßnahmen zusammengefasst, die zur Erhaltung der Stimmgesundheit beitragen.

„Ich hab’s im Hals“ – Da Erkältungen häufig mit einer belegten Stimme einhergehen, ist besonders vom Verzehr von Milchprodukten abzuraten. Diese regen die Schleimproduktion der Schleimhäute an und verstärken den empfundenen Effekt dadurch. Damit einher geht häufig das Bedürfnis, sich zu räuspern. Dies sollte auch im gesunden Zustand unterlassen werden, da die Stimmlippen hierbei sehr unsanft aufeinander schlagen. Zudem erhöht sich die Schleimproduktion, womit sich der Teufelskreis schließt. Wesentlich besser ist es dagegen, bewusst (in die Armbeuge) zu husten, um sich des unangenehmen Gefühls zu entledigen.

Weiterhin sollte der Verzehr von besonders heißen oder kalten Speisen und Getränken, oder solchen, die sehr scharf bzw. sauer sind, vermieden werden, da die Schleimhäute der Stimmlippen dadurch gereizt werden. Koffeinhaltige Getränke und Pfefferminz- oder Kamillentee führen aufgrund der enthaltenen Substanzen zu deren Austrocknung. Im Gegenzug sollte (nicht nur bei Erkältung!) viel Wasser getrunken werden, in Bezug auf die Stimme bestenfalls mit möglichst wenig Kohlensäuregehalt. Um die Schleimhäute feucht zu halten eignen sich auch (Husten-) Bonbons. Es sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass diese kein Menthol enthalten. Kaltinhalationen von Kochsalzlösungen sind ebenfalls empfehlenswert.

Eine Erkältung reizt unsere Stimmlippen. Daher sollte besonders darauf geachtet werden, weitere reizende Umwelteinflüsse zu minimieren. Der generell sehr schädliche Konsum von nikotinhaltigen Produkten sollte also gerade bei Erkältung unbedingt vermieden werden. Auch der Aufenthalt in stark beheizten Räumlichkeiten wirkt sich aufgrund der trockenen Umgebungsluft negativ auf die Stimmlippen aus.

Auch die Art wie wir sprechen hat maßgeblichen Einfluss auf unsere Stimme. Die folgenden Empfehlungen sind mit dem Ziel der Gesunderhaltung der Stimme immer zu berücksichtigen. Ein lauter Stimmeinsatz sollte nicht generell verurteilt werden, schließlich ist Laustärke eine wichtige Funktion der menschlichen Stimme. Das harmlose Rufen ist dadurch charakterisiert, dass der eingesetzte stimmliche Kraftaufwand nicht unverhältnismäßig erhöht wird. Darüber hinaus geht die Lautstärkesteigerung hierbei nicht mit einer Erhöhung der Tonfrequenz einher, die Tonlage erhöht sich also nicht automatisch. Beim Schreien, welches sich sehr negativ auf die Stimmgebung auswirkt, trifft dagegen beides zu. Im Fall einer “angeschlagenen” Stimme gilt es in jedem Fall, Lautstärke wenn möglich zu vermeiden. Dementsprechend gilt dasselbe für das Sprechen in größeren Gruppen oder einer lauten Umgebung. Ein Großteil der Menschen ist der Meinung, flüstern wäre besonders schonend für die Stimme, da sie hierbei nicht benutzt wird. Dem ist jedoch nicht so! Ganz im Gegenteil: Das Flüstern strengt die stimmerzeugenden Strukturen deutlich mehr an, als ein leises, stimmhaftes Sprechen.

Sollten Sie, auf logopädischen oder ärztlichen Rat hin, täglich Stimmübungen durchführen, so empfiehlt es sich, bei einer Erkältung auf solche, die mit Vokalen beginnen, zu verzichten. Generell empfiehlt es sich, es im Zweifel lieber etwas langsamer angehen zu lassen.

Bei Heiserkeit ist die für die Stimme beste Medizin ohne jeden Zweifel: Ruhe. Generell sollte eine „angeschlagene“ Stimme geschont werden, Stimmschonung hat oberste Priorität! Wer die Stimme bei bestehender Heiserkeit weiterhin (stark) beansprucht, riskiert unter Umständen die völlige

Stimmlosigkeit oder weitaus dramatischeren Folgen, wie beispielsweise die Entwicklung einer chronischen Stimmstörung oder Kehlkopfentzündung.

Bei einer Heiserkeit, die länger als vier Wochen besteht, sollte ​in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden, um mögliche andere Ursachen ausschließen zu können.

Hartnäckige Erkältungen, die überdurchschnittlich lange nicht vollständig zurückgehen, können Zeichen einer bestehenden Stimmstörung sein. Dabei ist diese häufig nicht durch die Erkältung entstanden, sondern liegt bereits seit Längerem, vom Betroffenen unerkannt, vor, und zeigt sich in der verzögerten gesundheitlichen Erholung. Klarheit und ggf. Abhilfe kann in diesem Fall eine logopädische Befunderhebung bzw. Therapie schaffen.

Literatur:
Bergauer & Janknecht (2011) Praxis der Stimmtherapie
Hammer & Teufel-Dietrich (2017) Stimmtherapie mit Erwachsenen

Autor: Marleen Neumann